• Dr. med. Dr. h.c. Diethelm Tschöpe

Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Interview mit Professor Dr. med. Dr. h.c. Diethelm Tschöpe

Herr Professor Tschöpe ist Klinikdirektor im Herz- und Diabeteszentrum NRW, Bad Oeynhausen (Ruhr-Universität Bochum) und Vorsitzender der Stiftung „Der herzkranke Diabetiker“ (DHD). Als Mitglied des Think Tanks berät er die Präventionswerkstatt bei der Konzeption innovativer Urlaubsangebote mit einem gesundheitlichen Zusatznutzen.

Herr Professor Tschöpe, wie kommt es zur Entstehung von Herz-Kreislauf- Erkrankungen?

Tschöpe: Ein wichtiger Risikofaktor ist der Bluthochdruck, der die Entstehung von Arterienverkalkung begünstigt. Dadurch steigt das Risiko für Komplikationen und Folgen wie Durchblutungsstörungen, Herzinfarkt, Schlaganfall sowie Herz- und Nierenschwäche. Die Überlappung zwischen Metabolischem Syndrom (starkes Übergewicht, hoher Blutdruck, hohe Blutfettwerte) und Herz-Kreislauf-Patienten ist groß. Vermutlich 75% der Patienten haben beides.

Wie kann man Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorbeugen – z. B. im Rahmen eines Gesundheitsurlaubs?

Tschöpe: Wie beim Typ-2-Diabetes spielt auch hier der Lebensstil eine wichtige Rolle, also ausreichend Bewegung und eine gesunde Ernährung. Man sollte einfach Dinge tun, die die Bewegungsbilanz verbessern. Es muss nicht immer ein Marathon sein, man kann auch 5 Kilometer spazieren gehen. Allein eine nichterschöpfende Bewegung, die am besten 150 Minuten die Woche ausgeübt wird, kann relativ schnell für einen nachhaltigen Bewegungseffekt sorgen. Solche Maßnahmen zur Prävention lassen sich auch gut in einen Urlaub integrieren.

Wie sieht es bei Menschen aus, die an einer Herzschwäche erkrankt sind?

Tschöpe: Menschen mit Herzschwäche profitieren besonders von einem Übungs- und Bewegungsprogramm, das sie aber nicht überfordern darf, sondern auf den Schweregrad ihrer Erkrankung und auf ihre individuellen Bedürfnisse ausgerichtet sein muss. Diese sogenannte Überforderungsschwelle ist allerdings von Patient zu Patient sehr unterschiedlich. Es gibt Kranke die nur sehr niederschwellig trainieren können, während andere zum Beispiel nach einem Herzinfarkt wieder relativ belastbar sind. Dies muss individuell für jeden Patienten ermittelt werden. Von dieser Trainingsschwelle ausgehend, kann dann unter Aufsicht erkrankungsspezifisch eine deutliche Verbesserung der Leistungsfähigkeit – beispielsweise im Falle der Herzschwäche die kardiale Pumpfunktion – erreicht und erwartet werden.

Können Menschen, die bereits an Herz-Kreislauf-Erkrankungen leiden, von gesundheitstouristischen Angeboten profitieren?

Tschöpe: In einem Gesundheitsurlaub kann eine ärztlich verordnete Behandlung unterstützt werden, beispielsweise durch die virtuelle Anleitung einer Koronarsportgruppe unter touristischen Bedingungen. Wie beim Typ-2-Diabetiker gilt auch beim Herz-Patienten: Er muss das Gefühl haben im Urlaub zu sein, ohne dass die notwendige ärztliche Versorgung unterbrochen wird. Gut ist es, den Patienten durch individuelle Urlaubsangebote zu motivieren, etwas für sich zu tun, ohne dass er das Gefühl hat unter Zwang oder Druck zu stehen.

Herr Professor Tschöpe, wir danken Ihnen für das Gespräch.