• Professor Dr. med. Dieter Köhler

Im Fokus: Schlafstörungen bewältigen

Interview mit Professor Dr. med. Dieter Köhler

Herr Professor Köhler ist ehemaliger Ärztlicher Direktor des Fachkrankenhauses Kloster Grafschaft und ehemaliger Chefarzt der Abteilung Schlafmedizin und häusliche Beatmung in Schmallenberg. Herr Professor Köhler ist Mitglied des Think Tanks und berät die Präventionswerkstatt bei der Konzeption innovativer Urlaubsangebote mit einem gesundheitlichen Zusatznutzen.

Herr Professor Köhler, viele Menschen klagen über Schlafstörungen. Worauf ist das in erster Linie zurückzuführen?

Köhler: Das Thema Schlafstörungen ist ein weites Feld. Am häufigsten treten Ein- und Durchschlafstörungen, die sog. Insomnie, auf. Die Ursachen sind vielfältig. Es gibt bestimmte Erkrankungen, die zu Schlafstörungen führen können, und die ursächlich behandelt werden müssen. Auch manche Medikamente können zu einem unruhigen Schlafverhalten führen. Häufig sind äußere Faktoren wie Umwelt oder Lebensumstände verantwortlich. Jeder kennt schlaflose Nächte durch ungewohnten Lärm, Sommerhitze oder einem zu üppigen Nachtmahl. Auch Alkoholkonsum kann zu einem ineffektiven Schlaf führen. Jeder Mensch reagiert unterschiedlich empfindlich auf solche Reize. Ein weiterer Risikofaktor, der zu Schlafproblemen führt, sind inhomogene Arbeitszeiten – wie z. B. bei Menschen mit Nachtschicht. Ganz allgemein gilt, dass die Schlafstörungen im Alter zunehmen. Gerade bei den Schichtarbeitern sieht man das besonders gut – wenn sie über 40 oder 50 Jahre sind, ist das meist mit einem erheblichen Rückgang an Lebensqualität verbunden.

Kann man einen gesunden Schlaf erlernen?

Köhler: Schlafhygiene ist in diesem Zusammenhang ein wichtiges Stichwort. Wer schlecht einschläft, kann manchmal schon durch kleine Verhaltensänderungen eine Verbesserung erreichen. Meine Standardempfehlung lautet: Man sollte erst dann ins Bett gehen, wenn man auch wirklich müde ist. Man sollte nicht zu spät essen und direkt vor dem Schlaf keine sportlichen Aktivitäten durchführen. Das Schlafzimmer sollte kalt sein und auch bei offenem Fenster zu schlafen ist günstig, weil dann die Luftfeuchtigkeit höher ist. Wenn diese ersten Maßnahmen nicht helfen, kann eine individuelle Beratung von einem Schlafexperten weiterhelfen. Oft ist es hilfreich, ein Schlaftagebuch zu führen, aus dem Tagesrhythmus und Einschlafrituale ersichtlich werden.

Können entsprechende Programme auch im Urlaub umgesetzt werden?

Köhler: So etwas ist gut vorstellbar und der nordrhein-westfälische Gesundheitstourismus ist ja dabei, entsprechende Konzepte zu entwickeln. Leute mit Ein- und Durchschlafstörungen, also Insomniker, müssen – im Gegensatz zu Patienten mit Schlafapnoe – in der Regel nicht ins Schlaflabor, sondern brauchen eher ein schlaftherapeutisches Gespräch. Bei einem Kurzurlaub sind Angebote sinnvoll, bei denen die Leute Tipps zur Schlafhygiene erhalten, die sie auf Dauer beherzigen. Es wäre natürlich gut, für einen solchen Urlaub etwas mehr Zeit mitzubringen, damit man überhaupt zur Ruhe kommt. Es ist wichtig, verschiedene Ansätze zu kombinieren, um die belastende Schlafstörung in den Griff zu bekommen. Neben einer Schlafberatung durch medizinisch geschultes Fachpersonal sind Autogenes Training, Entspannungskurse sowie Bewegungs- und Wellnessangebote wichtige Bausteine. So etwas lässt sich auch im Urlaub gut umsetzen. Wichtig dabei ist, dass man erlernte Verhaltensweisen zu Hause weiter führt.

Herr Professor Köhler, wir danken Ihnen für das Gespräch.