• Dr. med. Dr. h.c. Diethelm Tschöpe

Typ-2-Diabetes

Interview mit Professor Dr. med. Dr. h.c. Diethelm Tschöpe

Herr Professor Tschöpe ist Klinikdirektor im Herz- und Diabeteszentrum NRW, Bad Oeynhausen (Ruhr-Universität Bochum) und Vorsitzender der Stiftung „Der herzkranke Diabetiker“ (DHD). Als Mitglied des Think Tanks berät er die Präventionswerkstatt bei der Konzeption innovativer Urlaubsangebote mit einem gesundheitlichen Zusatznutzen.

Herr Professor Tschöpe, immer mehr Menschen erkranken an einem Typ-2-Diabetes. Wie ist das zu erklären?

Tschöpe: Der Typ-2-Diabetes gehört mit ca. acht Millionen Betroffenen zu den häufigsten Volkserkrankungen in Deutschland und die Tendenz ist steigend. Die Erkrankung zeichnet sich dadurch aus, dass sie nicht alleine steht, sondern meist mit Fettleibigkeit, hohen Blutfettwerten und hohen Blutdruckwerten verbunden ist. Der Fachausdruck für die Kombination dieser Probleme lautet Metabolisches Syndrom. Beim Typ-2-Diabetes gibt es zwar einen genetischen Hintergrund, also eine Veranlagung, aber ob, wie schnell und intensiv der Diabetes ausbricht, hängt ganz entscheidend mit dem Lebenswandel zusammen. Die hauptsächlichen Treiber sind Bewegungsarmut und Fehlernährung.

Durch entsprechendes Verhalten kann man also einem Diabetes vorbeugen. Lässt sich so etwas in einem Urlaub umsetzen?

Tschöpe: Im Urlaub kann man die Dinge, die man im Alltag nicht berücksichtigt, bewusst leben und umsetzen. Das gilt ganz besonders für Menschen, die ein Risiko haben, einen Typ-2-Diabetes zu entwickeln. Dazu gehört, dass man die körperliche Bewegung steigert und auf die Ernährung achtet. Ein Lifestyle-Trainer oder ein Coach, der einen mit den richtigen sportlichen Übungen und der richtigen „Dosis“ vertraut macht, kann an dieser Stelle sinnvoll sein.

Können Menschen, die bereits einen Typ-2-Diabetes haben, von gesundheitstouristischen Angeboten profitieren?

Tschöpe: Die Behandlung einer Krankheit muss generell nachhaltig sein – das gilt natürlich auch für den Typ-2-Diabetes. Hinzu kommt, dass diese Patienten häufig weitere Begleiterkrankungen wie Herz-Kreislauferkrankungen haben. Natürlich ist die ärztliche Behandlung nicht durch ein touristisches Angebot zu ersetzen, man kann aber gesundheitstouristische Elemente einbringen, welche die Therapie während des Urlaubs unterstützen.

Individuelle Angebote, die auf die Bedürfnisse der Patienten zugeschnitten sind, haben Zukunft. Körperliche Aktivität ist wunderbar, aber damit beispielsweise ein Diabetiker mit Herzkrankheit von einem guten Sportangebot im Urlaub profitieren kann, braucht er auf jeden Fall einen Spezialisten, der ihn betreut. Wir kennen dieses Prinzip aus den Koronar- oder Diabetessportgruppen, die in der Regel unter ärztlicher Anleitung erfolgen. Bei gesundheitstouristischen Angeboten ist immer wichtig zu bedenken, dass der Typ-2-Diabetiker in erster Linie Urlaub machen möchte und nicht das Gefühl haben will, in einer Klinik zu sein. Durch die alte Bäderkultur bietet Nordrhein-Westfalen dafür gute Voraussetzungen.

Herr Professor Tschöpe, wir danken Ihnen für das Gespräch.